Binnendifferenzierung im GeLi-Unterricht
In GeLi-Gruppen treffen oft sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen aufeinander. Trotzdem muss nicht jede Person von Anfang an etwas anderes machen. Entscheidend ist, zuerst eine gemeinsame sprachliche Grundlage zu schaffen und erst danach unterschiedliche Lernwege zu öffnen. So bleibt die Gruppe zusammen, ohne dass alle auf dieselbe Weise lernen müssen.
Gemeinsame mündliche Basis, unterschiedliche Lernwege, gemeinsame Anwendung.
Binnendifferenzierung heißt nicht: vier Arbeitsblätter
Viele verbinden Binnendifferenzierung zuerst mit mehreren Versionen derselben Aufgabe: leicht, mittel, schwer. In einer GeLi-Gruppe hilft das oft nur begrenzt. Unterschiede liegen nicht nur im Sprachniveau, sondern auch darin, wie sicher jemand liest, schreibt, hört, Strukturen erkennt oder selbstständig arbeitet. Deshalb muss nicht jede Person von Anfang an eine andere Aufgabe bekommen. Oft ist es sinnvoller, zunächst mit allen an derselben sprachlichen Situation zu arbeiten. Die Gruppe hört dieselben Redemittel, spricht sie gemeinsam und verwendet sie in kurzen Dialogen. Erst danach wird unterschiedlich weitergearbeitet. Eine Person ordnet Satzbausteine, eine andere schreibt, eine dritte arbeitet mit Bildern oder Symbolen. So bleibt der sprachliche Kern für alle gleich, ohne dass alle denselben Weg gehen müssen.
Erst hören und sprechen
Bevor geschrieben, markiert oder eine Tabelle ausgefüllt wird, braucht die Gruppe Sprache, die bereits bekannt klingt. Beim Thema Termin kann die Lehrkraft zunächst Kalender und Uhr zeigen und mit der Gruppe wenige Redemittel aufbauen:
„Ich habe einen Termin.“ „Wann?“ „Am Mittwoch.“ „Um 14 Uhr.“
Die Sätze werden gehört, gemeinsam gesprochen, wiederholt und in kleinen Dialogen verwendet. Rhythmus, Aussprache und Bedeutung werden dabei miteinander verbunden. Erst danach kommt Schrift hinzu. Das entlastet viele Teilnehmende, weil sie beim Lesen nicht gleichzeitig noch herausfinden müssen, wie der Satz klingt und was er bedeutet.
So kann das konkret aussehen
Die Gruppe kennt bereits den Satz: „Ich habe einen Termin am Mittwoch um 14 Uhr.“
Jetzt kann unterschiedlich weitergearbeitet werden. Eine Person trägt Tag und Uhrzeit in eine kleine Tabelle ein. Eine andere schreibt mehrere Terminsätze und markiert die wichtigen Informationen. Eine dritte arbeitet mit Kalender- und Uhrsymbolen. Eine vierte ordnet Wortkarten und Bildkarten. Die Aufgaben sehen unterschiedlich aus, aber alle arbeiten an derselben sprachlichen Situation. Am Ende kommen die Wege wieder zusammen. Die Teilnehmenden fragen sich gegenseitig: „Wann ist dein Termin?“ So führt Differenzierung nicht auseinander. Die gemeinsame Anwendung bleibt der Bezugspunkt.
Wie viel Wahl ist sinnvoll?
Differenzierung bedeutet nicht automatisch freie Wahl. Gerade Lernende mit wenig Lernerfahrung können von zu vielen Möglichkeiten überfordert sein. Am Anfang kann die Lehrkraft deshalb einen passenden Weg zuweisen: Schreiben, Bild, Tabelle oder Legematerial.
Später kann mehr Wahl dazukommen. Zum Beispiel: „Möchtest du den Satz schreiben oder mit Karten legen?“
Oder: „Welche Hilfe brauchst du noch: Bild, Satzanfang oder Beispiel?“ So wächst die Fähigkeit, den eigenen Lernweg zunehmend selbst zu steuern.
Differenzieren heißt auch: unterschiedlich viel Unterstützung geben
Nicht immer braucht es eine andere Aufgabe. Oft reicht es, die Unterstützung zu verändern. Eine Person arbeitet mit einem vollständigen Satzmuster: „Ich habe einen Termin am ___ um ___.“ Eine andere bekommt nur Stichwörter oder Symbole. Eine dritte formuliert frei und ergänzt vielleicht noch Ort oder Grund. So bleibt die Aufgabe erkennbar dieselbe. Verändert wird, wie viel sprachliche Stütze angeboten wird.
Beim Lesen nicht nur kürzere Texte geben
Differenzierung beim Lesen bedeutet nicht einfach: eine Person bekommt drei Sätze, die andere zehn.
Viel interessanter ist die Frage, was mit dem Text gemacht werden soll.
Eine Person erkennt zunächst ein bekanntes Wort oder eine Zahl. Eine andere sucht Datum und Uhrzeit. Eine dritte verbindet zwei Informationen. Eine vierte überträgt das Gelesene in einen Kalender oder reagiert darauf.
So kann derselbe oder ein ähnlich aufgebauter Text auf unterschiedlichen Verarbeitungsebenen genutzt werden.
Auch Lesegeschwindigkeit spielt eine Rolle. Bekannte Wörter und Chunks wie „am Montag“, „um zehn Uhr“ oder „bitte mitbringen“ sollten mit der Zeit schneller erkannt werden. Dabei wird nicht mit anderen verglichen, sondern mit dem eigenen vorherigen Ergebnis.
Wie kann derselbe Inhalt verarbeitet werden?
Der sprachliche Kern bleibt gleich. Unterschiedlich ist der Weg, auf dem er verarbeitet wird.
GeLi differenzieren, ohne den Kurs zu zerlegen
12 konkrete Methoden für die GeLi-Praxis
Das Mini-PDF zeigt Möglichkeiten für mündliche Basis, unterschiedliche Verarbeitungswege, Leseflüssigkeit und die Organisation differenzierten Arbeitens. Dazu gibt es eine komplette Unterrichtssequenz und ein Planungsblatt.
Was kann bei derselben Aufgabe variieren?
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Hilfen
Mit oder ohne Satzstarter, Beispiel oder Symbol
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Offenheit
Feste Vorgabe oder eigene Lösung
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Komplexität
Eine Information oder mehrere miteinander verbinden
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Transfer
Bekanntes wiederholen oder auf eine neue Situation übertragen
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Tempo
Mehr Zeit oder zügiger weiterarbeiten
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Wiederholung
Noch einmal üben oder bereits weitergehen
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Selbstkontrolle
Mit Muster, Partnercheck oder eigener Prüfung
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Wahlfreiheit
Aufgabe zuweisen oder zwischen passenden Optionen wählen
Passendes Material zum Thema
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Viele Lehrkräfte in Alpha- und GeLi-Kursen kennen diesen Moment nur zu gut: Am Freitag lief es noch. Die Struktur war klar, die Übung saß. Und am Montag wirkt vieles wieder wie neu.
Erwachsene Lernende kämpfen häufig nicht mit mangelnder Motivation, sondern mit fehlender Stabilisierung. Der Satz ist da — aber er bleibt nicht hängen. Aufgaben werden gelesen, aber nicht ganz verstanden. Wörter werden geübt, tauchen im Alltag jedoch nicht zuverlässig wieder auf. Und mit jeder Unsicherheit wächst leise der Druck.
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FAQ
Wie erkenne ich, welche Unterstützung jemand braucht?
Wie vermeide ich, dass Lernende immer bei den einfachsten Aufgaben bleiben?
Woran erkenne ich, ob die Differenzierung funktioniert?
Wie gehe ich mit sehr schnellen Lernenden um?
Fazit
Binnendifferenzierung im GeLi-Unterricht bedeutet nicht, für jede Person einen eigenen Unterricht vorzubereiten. Die Gruppe kann mit derselben Sprache starten und anschließend unterschiedliche Wege nutzen. Die Lernwerkstatt schafft dafür Raum und gibt der Lehrkraft gleichzeitig Zeit für gezielte Unterstützung. Gemeinsam starten. Unterschiedlich lernen. Gemeinsam anwenden.