Nacken entlasten: 6 Übungen für Training und Bildschirmarbeit
Stundenlang sitzen, auf den Bildschirm schauen, Schultern hochziehen: Der Nacken bekommt im Arbeitsalltag oft wenig Abwechslung. Diese sechs Übungen bringen unterschiedliche Bewegungsrichtungen zurück und lassen sich als kurze körperliche Unterbrechung in Training, Seminar oder Bildschirmarbeit integrieren.
Nackenübungen können Bewegung in lange Sitzphasen bringen und die Hals-Schulter-Region gezielt mobilisieren.
Warum der Nacken nicht nur „mehr Dehnung“ braucht
Nach längerer Bildschirmarbeit fühlt sich der Nacken häufig fest, müde oder unbeweglich an. Der naheliegende Reflex lautet dann: Dehnen. Für eine gute Bewegungspause ist jedoch etwas anderes mindestens genauso wichtig: Variation. Der Kopf dreht sich im Arbeitsalltag oft nur wenig, die Schultern bleiben lange in ähnlicher Position und auch Brustkorb und oberer Rücken bewegen sich vergleichsweise wenig. Eine sinnvolle Nackensequenz kombiniert deshalb verschiedene Bewegungsrichtungen, statt minutenlang nur eine einzelne Struktur zu dehnen.
Für Trainer:innen ist das ein wichtiger Unterschied. Ziel einer kurzen Nackenpause ist nicht, Fehlhaltungen zu „korrigieren“ oder Beschwerden in wenigen Minuten zu behandeln. Sie schafft vielmehr einen bewussten Wechsel: Bewegen statt halten, wahrnehmen statt weiterarbeiten und unterschiedliche Bereiche des Schulter-Nacken-Komplexes wieder einbeziehen.
Die Forschung bei Büroangestellten spricht grundsätzlich dafür, regelmäßige körperliche Aktivität und gezielte Übungen bei Nackenbeschwerden einzusetzen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 fand bei Büroangestellten mit chronischen Nackenschmerzen positive Effekte von Trainingsprogrammen auf Schmerzen und funktionelle Einschränkungen. Die untersuchten Interventionen waren jedoch deutlich umfangreicher als eine kurze Bewegungspause.
6 Übungen, 6 Bewegungsaufgaben
Die folgenden Übungen setzen bewusst unterschiedliche Schwerpunkte. Manche bewegen direkt die Halswirbelsäule, andere beziehen Schulterblätter, Arme und Brustkorb ein. Genau diese Kombination macht die Sequenz für längere Sitz- und Bildschirmphasen interessant.
1. Kopf sanft schütteln
Kopf nach rechts und links ausschütteln mit sanften, aber schnellen Bewegungen.
Moderation: „Sei beim Schütteln achtsam: Mach die Übung sanft, aber schnell. Komm nach nach 8-10x wieder zur Mitte. Nimm wahr, ob sich etwas anders anfühlt.“
Trainer:innen-Tipp: Manchmal ist das zu stark und TN wird schwindelig dabei. Dann ist auch die folgende, sehr typische, aber immer wieder gute Abfolge geeignet: 1. Kopf sanft nach rechts über die Schulter drehen - einatmen, zurück zur Mitte ausatmen, auf links wechseln 2. Kopf sanft zur Seite nach rechts abknicken - einatmen - zurück zur Mitte ausamten, auf links wechsel 3. Kopf sanft nach oben bewegen - einatmen - nach unten Kinn auf die Brust legen ausatmen. Die Richtungen lassen sich auch einzeln dosieren und vermitteln den Teilnehmenden ein besseres Gefühl dafür, wo Bewegung frei oder eingeschränkt erscheint.
2. Seitneigung mit langem Arm
Der Kopf neigt sich leicht zu einer Seite. Der gegenüberliegende Arm wird lang nach unten geführt. Anschließend kann der Arm langsam gehoben und wieder abgesenkt werden. Dadurch verändert sich die Spannung nicht nur am Hals, sondern über Schulter, Arm und seitlichen Oberkörper.
Moderation: „Lass den Kopf nur so weit sinken, wie es angenehm bleibt. Der Arm wird lang, aber du ziehst den Kopf nicht zusätzlich nach unten.“
Variante: Bei empfindlichem Nacken bleibt der Kopf aufrecht und nur der Arm bewegt sich.
3. Adlerarme für Schulterblätter und oberen Rücken
1. Die rechte Hand angewinkelt vor die Nase setzen, die linke Hand fädelt von unten durch und wenn es möglich ist, greifen die Hände ineinander und die Finger berühren sich. 2. Die Arme einatmend ein wenig hochheben und ausatmend wieder auf Schulterhöhe senken lassen. Dann die Seite wechseln.
Moderation: „Wenn es im Nacken kräftig zieht, bitte auf keinen Fall die Hände schließen, sondern nur die Arme kreuzen.“
Trainer:innen-Tipp: Viele versuchen immer den Endzustand zu erreichen. Deshalb kann es sinnvoll sein, die Übung erst mal nur mit geöffneten Händen zu zeigen und den Nachsatz zu wählen: "Nur, wenn es sich bis hierher im Nacken okay anfühlt, kannst du auch die Hände schließen."
4. Seitbeuge über den ganzen Oberkörper
Ein Arm wird nach oben geführt, anschließend neigt sich der Oberkörper zur Gegenseite. Die Bewegung entsteht nicht nur im Hals, sondern zieht sich über Schulter, Brustkorb und Flanke. Der Kopf darf der Bewegung folgen, bleibt aber entspannt.
Moderation: „Werde zuerst lang nach oben und geh erst dann in die Seitbeuge. Es geht nicht darum, möglichst weit zur Seite zu kommen.“
Warum diese Übung dazugehört: Nach langem Sitzen lohnt es sich, den Nacken nicht isoliert zu betrachten. Brustkorb, Schultergürtel und oberer Rücken beeinflussen, wie frei Kopf und Hals bewegt werden können.
5. Ellbogen führen
Die Unterarme werden vor dem Brustkorb zusammengeführt oder parallel gehalten. Die Ellbogen bewegen sich anschließend langsam nach oben und wieder nach unten. Die Schultern bleiben möglichst locker und wandern nicht mit zu den Ohren.
Moderation: „Bewege die Ellbogen nur so hoch, wie deine Schultern entspannt bleiben können.“
6. Die Eule: Bewegung mit bewusster Muskelwahrnehmung
Bei dieser Übung wird der Muskel zwischen Schulter und seitlichem Hals mit der gegenüberliegenden Hand umfasst. Während die Hand den Muskel hochzieht, dreht sich der Kopf langsam nach rechts und links. Anschließend wird der Griff nach vorn ausstreichend gelöst und die Region bewusst wahrgenommen. Dann die Seite wechseln.
Moderation: „Greife nur so fest, dass es angenehm bleibt. Während du den Kopf bewegst, beobachtest du, wie sich den Nacken anfühlt.“
Wichtig: Der Griff bleibt auf der gut tastbaren Muskulatur von Schulter und seitlichem Nacken. Druck auf die Halsvorderseite oder empfindliche Strukturen wird vermieden.
Bonus: Die liegende Acht
Eine zusätzliche Möglichkeit ist eine sehr kleine koordinative Bewegung: Stell dir vor, deine Nasenspitze zeichnet eine liegende Acht in die Luft. Die Bewegung bleibt weich und eher klein. Nach einigen Durchgängen wird die Richtung gewechselt.
Warum interessant: Anders als eine reine Rechts-links-Bewegung verbindet die liegende Acht mehrere Bewegungsrichtungen miteinander. Sie eignet sich deshalb gut als ruhiger Abschluss.
Moderation: „Zeichne die Acht kleiner, als du zuerst möchtest. Je feiner die Bewegung, desto weniger musst du sie erzwingen.“
Die sinnvolle Reihenfolge: Erst klein, dann größer
Eine gute Nackenpause beginnt nicht mit der stärksten Dehnung. Sinnvoll ist eine kleine Bewegungsdramaturgie:
1. Wahrnehmen: Kopf langsam drehen und Unterschiede zwischen den Seiten registrieren
2. Mobilisieren: Seitneigung und kleine Beuge-/Aufrichtbewegungen ergänzen
3. Schultergürtel einbeziehen: Adlerarme oder Ellbogenbewegungen
4. Bewegung vergrößern: Seitbeuge mit Arm und Brustkorb
5. Wahrnehmung vertiefen: Die Eule
6. Fein koordinieren: Liegende Acht als Abschluss
Der Vorteil dieser Reihenfolge: Die Gruppe beginnt mit einfachen, gut kontrollierbaren Bewegungen und erweitert den Bewegungsradius erst danach.
2-Minuten-Version für Bildschirmarbeit
Nicht jede Pause braucht alle sechs Übungen. Für eine sehr kurze Unterbrechung reicht beispielsweise diese Kombination:
20 Sekunden: Kopf langsam nach rechts und links drehen
20 Sekunden: Schultern bewusst anheben, zurückführen und sinken lassen
20 Sekunden: Seitneigung mit langem gegenüberliegenden Arm
20 Sekunden: Kleine liegende Acht mit der Nasenspitze
Diese Variante eignet sich als Bewegungsimpuls während eines langen Arbeitstags. Sie ist jedoch nicht mit einem systematischen Trainingsprogramm gleichzusetzen.
Wann lieber eine andere Methode?
Deine Augen brauchen nicht mehr Vorsätze, sondern 15 Minuten
Du weißt längst, dass du deinen Augen regelmäßig eine Pause gönnen solltest. Du nimmst es dir vor, verschiebst es auf später und sitzt am Ende doch wieder stundenlang vor dem Bildschirm.
Genau deshalb treffen wir uns einmal pro Woche für 15 Minuten online in der Mittagspause. Mit gezielten Übungen entlastest und trainierst du deine Augen – auch dort, wo Beschwerden durch Verspannungen im Nacken oder in den Schultern verstärkt werden.
Diese 15 Minuten können dir helfen, früher auf erste Warnzeichen zu reagieren, deine Augen regelmäßig auszugleichen und Beschwerden wie müde Augen oder Kopfschmerzen nicht einfach hinzunehmen.
Bist du bereit, deinen Augen diese 15 Minuten wirklich zu geben?
Einsatzideen nach Situation
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Im Präsenztraining:
Zwei bis vier Übungen nach einer längeren sitzenden Arbeitsphase oder direkt nach der Mittagspause
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Im Online-Training:
Besonders geeignet, weil die Teilnehmenden ohnehin vor einem Bildschirm sitzen und unmittelbar einen Bewegungswechsel erleben.
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Vor einer konzentrierten Arbeitsphase:
Kurze Mobilisation als körperlicher Übergang.
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Im Gesundheitskurs:
Die Übungen in einen größeren Zusammenhang aus Bewegung, Bildschirmgesundheit und Regeneration stellen.
FAQ
Wie oft sollte man Nackenübungen machen?
Wie lange sollte eine Nackenpause dauern?
Sind diese sechs Übungen eine Therapie gegen Nackenschmerzen?
Fazit
Eine gute Nackenpause muss weder lang noch kompliziert sein. Entscheidend ist, Bewegung in einen Bereich zurückzubringen, der bei Bildschirmarbeit und langem Sitzen oft über längere Zeit kaum variiert wird. Für Trainer:innen bedeutet das: Nicht möglichst weit dehnen, sondern unterschiedliche Bewegungsrichtungen anbieten, Schultergürtel und Brustkorb mitdenken und den Teilnehmenden Raum für ihre eigene Bewegungsweite lassen.
Die sechs Übungen plus Bonus eignen sich gut als kurze Unterbrechung in Training, Seminar oder Arbeitsalltag. Sie ersetzen jedoch kein gezieltes Training und keine fachliche Abklärung bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht: „Welche Übung ist die stärkste?“ Sondern: „Welche Bewegung fehlt nach dieser Arbeitsphase gerade?“