Für Malen und Visualisieren gibt es keine einzige große Leitstudie, die alles abdeckt. Die Forschung trennt ziemlich klar zwischen dem Zeichnen eigener Darstellungen, dem Arbeiten mit Concept Maps und der allgemeineren Frage, wann solche generativen Aktivitäten Lernen tatsächlich vertiefen. Genau diese Trennung ist für die Praxis spannend, weil „Bild machen“ nicht automatisch „besser lernen“ bedeutet.
In der Meta-Analyse von Nesbit und Adesope (2006) wurden 55 Studien mit 5.818 Teilnehmenden ausgewertet. Untersucht wurde, was passiert, wenn Lernende Concept Maps oder Wissenslandkarten erstellen, verändern oder betrachten. Über die Studien hinweg zeigte sich ein positiver Effekt auf Lernen und Verstehen. Für den Lernraum ist daran interessant, dass Visualisierung hier nicht als Dekoration auftaucht, sondern als Strukturhilfe: Inhalte werden in Beziehungen, Hierarchien und Verknüpfungen übersetzt.
Einen zweiten Strang beschreiben Fiorella und Zhang (2018) in ihrer Überblicksarbeit zu learning by drawing. Dort wird nicht einfach gefragt, ob Zeichnen gut ist, sondern wann es hilft. Die Autor:innen bündeln Forschung dazu, unter welchen Bedingungen Lernende durch eigene Zeichnungen tiefer verstehen. Der Nutzen zeigt sich vor allem dann, wenn Zeichnen als generative Aktivität funktioniert: Lernende müssen auswählen, ordnen und Beziehungen sichtbar machen, statt nur hübsch abzubilden.
Noch enger auf Gedächtnisprozesse schaut das Experiment von Wammes, Meade und Fernandes (2016). Versuchspersonen sollten Begriffe entweder schreiben oder zeichnen; gezeichnete Begriffe wurden später robuster erinnert. Das spricht dafür, dass beim Zeichnen mehrere Kodierungen gleichzeitig angestoßen werden – semantisch, motorisch und visuell. Im Seminarraum erklärt das gut, warum eine schnell entstandene Skizze oft mehr festhält als eine längere mündliche Erklärung.
Für die Praxis heißt das nicht, dass jeder Inhalt gemalt werden muss. Spannend wird Visualisieren dort, wo Gedanken im Raum geordnet, verhandelt und gemeinsam betrachtet werden sollen. Genau dann wird aus einem Blatt oder Flipchart kein Schmuck, sondern ein gemeinsames Denkobjekt.