Spinnennetz – Beteiligung sichtbar machen und Verbindung spüren
Ein Wollknäuel wandert durch die Runde: Wer spricht, hält den Faden und gibt ihn weiter – so entsteht nach und nach ein sichtbares Netz der Beteiligung.
Beschreibung
In vielen Gruppen läuft Beteiligung eher im Hintergrund. Ein paar reden viel, andere hören eher zu und am Ende haben trotzdem alle das Gefühl, es war ein guter Austausch. Mit dem Spinnennetz wird genau diese Verteilung sichtbar. Und das verändert oft sofort etwas im Verhalten. Plötzlich ist klar, wer wie viel beiträgt und es wird schwieriger, so zu tun, als wäre alles ausgeglichen, wenn es das eigentlich nicht ist.
Ablauf
- Gruppe sitzt/steht im Kreis.
- Du erklärst die Regel: Wer spricht, hält den Faden (am Ende), nennt kurz seinen Beitrag (oder eine Antwort), wirft das Knäuel an die nächste Person.
- Der Faden bleibt jeweils bei der Person, die gesprochen hat.
- Nach mehreren Runden wird das Netz betrachtet: Wo sind viele Verbindungen, wo wenige?
Varianten
- Inhaltlich: „Nenne einen Kernbegriff und wirf zu jemandem, der daran anknüpfen kann.“
- Feedbacknetz: „Eine Beobachtung + ein Wunsch“ (kurz, gerahmt)
- Ressourcennetz: „Worin bist du heute hilfreich für die Gruppe?“
- Diagnosenetz: „Wo fühlst du dich sicher/unsicher?“ (nur, wenn das Klima trägt)
Beispiele
In Train-the-Trainer funktioniert es hervorragend als Metaspiegel: „Was macht Sichtbarkeit mit Gesprächsführung?“
In Teams kannst du es als „Verbindungsnetz“ nutzen: Wer braucht wen wofür – ohne lange Diskussion.
Didaktische Hinweise
Wichtig ist zuerst die Frage nach dem Beitrag. Wenn das zu offen bleibt, werden Beiträge schnell zu lang. Genauso entscheidend ist die Auswertung, denn ohne sie bleibt es am Ende einfach nur ein bisschen Basteln. Typische Stolperstellen zeigen sich schnell. Es kippt in zu viel Gerede, beim Werfen entsteht Chaos oder es kommt dieser subtile Druck auf, jetzt auch etwas sagen zu müssen. Gerade für eher stille Personen kann das unangenehm werden.
Deshalb helfen ein paar Dinge
- eine Pass-Option, damit niemand sprechen muss
- eine kurze Schreibphase vorher
- kleine Runden, in denen jede Person nur ein Wort sagt
In sehr konflikthaften Gruppen kann die Sichtbarkeit zusätzlichen Druck erzeugen. Dann macht es Sinn, erst an Vertrauen und Sicherheit zu arbeiten, bevor man die Methode einsetzt. Und manchmal passiert auch etwas Positives. Ein sichtbarer Faden reicht schon, damit jemand, der sonst still ist, merkt, dass er oder sie dazugehört.
Wenn du das Thema vertiefen willst …
FAQ
Online möglich?
Was, wenn das Netz unordentlich wird?
Fazit
Spinnennetz ist schnell umzusetzen und braucht nur wenig Material, meistens reicht schon ein Wollknäuel. Die Methode macht sichtbar, wie Beteiligung wirklich verteilt ist, und bringt Dynamiken ans Licht, die sonst oft unbemerkt bleiben. Genau diese Ehrlichkeit macht sie so wirksam, weil sie direkt zeigt, wie es in der Gruppe wirklich läuft.