Hackathon & Makeathon – Ideen entwickeln und prototypisch umsetzen
Beim Hackathon oder Makeathon arbeiten Teams konzentriert an einer konkreten Challenge und entwickeln daraus in begrenzter Zeit eine greifbare Lösung. Entscheidend ist nicht der Wettbewerbscharakter, sondern der Weg von der offenen Problemstellung über den Prototyp bis zum Test und Feedback.
Hackathon & Makeathon: Im Team Lösungen entwickeln, Prototypen bauen und Ergebnisse präsentieren.
Vom Problem zur testbaren Lösung
Hackathons und Makeathons sind besonders stark, wenn ein Thema nicht nur diskutiert, sondern in kurzer Zeit in eine konkrete Lösung übersetzt werden soll. Der typische Engpass liegt dabei nicht in fehlenden Ideen, sondern darin, aus einer offenen Challenge unter Zeitdruck einen tragfähigen Fokus, ein Team und einen testbaren Prototyp zu entwickeln.
Die Methode verbindet Problemklärung, kreative Ideenentwicklung, arbeitsteilige Teamarbeit und schnelle Umsetzung. Entscheidend ist, dass Teams nicht zu lange im Planen bleiben, sondern früh etwas bauen, skizzieren, programmieren, simulieren oder anders sichtbar machen, das getestet und verbessert werden kann.
Stark wird das Format vor allem bei offenen, realen Fragestellungen mit mehreren möglichen Lösungswegen. Es lebt von Eigenverantwortung, Zeitbegrenzung und Feedback – nicht von einer möglichst perfekten Endlösung.
Ablauf
1. Challenge klären: Formuliere eine konkrete, offene Problemstellung mit erkennbarem Zielrahmen. Die Challenge sollte Orientierung geben, aber nicht bereits die Lösung vorwegnehmen.
2. Teams bilden und Fokus finden: Die Teilnehmenden finden sich nach Interesse, Kompetenz oder Perspektive zusammen und schärfen ihr konkretes Teilproblem. Zu Beginn muss klar werden, für wen die Lösung gedacht ist und welches Problem tatsächlich bearbeitet wird.
3. Ideen entwickeln und auswählen: Die Teams erzeugen mehrere Lösungsansätze und entscheiden sich bewusst für eine Richtung. Eine frühe Auswahl verhindert, dass zu viel Zeit in parallele Ideen ohne Umsetzung fließt.
4. Prototyp erstellen: Die gewählte Idee wird so weit materialisiert, dass sie ausprobiert, gezeigt oder geprüft werden kann. Der Prototyp darf bewusst unfertig sein; entscheidend ist, dass zentrale Annahmen sichtbar und testbar werden.
5. Testen und nachschärfen: Teams holen Rückmeldungen von anderen Gruppen, Nutzer:innen, Mentor:innen oder Fachpersonen ein und überarbeiten ihre Lösung. Feedback sollte sich auf Verständlichkeit, Nutzen, Machbarkeit und offene Risiken beziehen.
6. Pitch und Juryfeedback: Zum Abschluss präsentieren die Teams Problem, Lösung, Prototyp und zentrale Lernerkenntnisse in kurzer Form. Eine Jury oder Feedbackrunde bewertet nicht nur die Show, sondern nachvollziehbar auch Problembezug, Umsetzbarkeit und Lernfortschritt.
Varianten
Hackathon: Häufig stärker digital, technologie- oder softwarebezogen. Der Prototyp kann Code, ein digitales Tool, eine Simulation oder ein klickbarer Entwurf sein.
Makeathon: Stärker auf physisches Herstellen, Bauen und Ausprobieren ausgerichtet. Materialien, Werkzeuge und räumliche Infrastruktur spielen hier eine größere Rolle.
Ideenmarathon: Der Schwerpunkt liegt stärker auf Ideenentwicklung und Konzeptbildung als auf einem ausgereiften Prototyp. Diese Variante passt, wenn Zeit oder Ressourcen für eine tiefe Umsetzung fehlen.
Kurz-Hackathon: In drei bis fünf Stunden wird die Dramaturgie stark verdichtet. Die Challenge muss enger gefasst sein, damit Teams trotz kurzer Zeit zu einem sichtbaren Ergebnis kommen.
Online-Hackathon: Teamarbeit, Prototyping, Mentoring und Pitch finden digital statt. Besonders wichtig sind klare Kommunikationskanäle, gemeinsame Arbeitsflächen und feste Check-ins.
Tool- oder KI-Hackathon: Teams nutzen gezielt digitale Tools oder generative KI für Recherche, Ideation, Prototyping oder Präsentation. Dafür braucht es vorab klare Regeln zu Datenschutz, Quellen, Eingabedaten und zulässiger Toolnutzung.
Warum Hackathons Denken und Handeln eng koppeln
Hackathons verdichten unterschiedliche Denkprozesse in kurzer Folge: Problemverständnis, Ideengenerierung, Auswahl, Umsetzung, Test und Revision. Durch das frühe Prototyping wird eine Idee aus dem abstrakten Denken herausgelöst und als äußeres Objekt überprüfbar. Rückmeldungen erzeugen unmittelbare Fehlerkorrektur und Perspektivwechsel. Besonders wirksam ist die Methode deshalb dort, wo Teilnehmende Entscheidungen treffen, Annahmen sichtbar machen und ihre Lösung mehrfach an realem Feedback anpassen.
Didaktische Hinweise
Die Challenge darf weder zu breit noch zu eng sein: „Verbessert unsere Schule“ ist zu offen, „Entwerft genau diese App-Funktion“ bereits zu eng. Eine gute Challenge beschreibt ein reales Problem und lässt mehrere Lösungswege offen.
Teamfindung nicht dem Zufall überlassen: Wenn nur Freundschaften oder ähnliche Kompetenzen zusammenkommen, entstehen schnell blinde Flecken. Je nach Ziel kann es sinnvoll sein, Perspektiven, Fachwissen oder Rollen bewusst zu mischen.
Frühes Prototyping erzwingen: Teams verlieren viel Zeit, wenn sie ihre Idee erst vollständig durchdenken wollen. Setze einen frühen Zeitpunkt, zu dem etwas Sichtbares oder Testbares vorliegen muss.
Mentor:innen dürfen nicht übernehmen: Beratung kippt, wenn Fachpersonen die Lösung vorgeben. Gute Mentor:innen stellen Fragen, prüfen Annahmen und helfen beim Fokussieren, ohne das Team zu entmündigen.
Pitch nicht höher bewerten als die Lösung: Gute Präsentationen können schwache Konzepte überstrahlen. Bewertungskriterien sollten deshalb Problemverständnis, Nutzerbezug, Lernweg, Prototyp und Umsetzbarkeit sichtbar gewichten.
Toolnutzung braucht Grenzen: Besonders bei KI- oder Online-Formaten muss vorher geklärt werden, welche Daten eingegeben werden dürfen, wie Quellen geprüft werden und welche Eigenleistung erwartet wird. Sonst wird aus Innovationsarbeit schnell bloße Toolnutzung.
Praxisbaukasten: Ist die Challenge hackathontauglich?
Vor dem Start lohnt sich ein kurzer Check. Nicht jede Fragestellung trägt ein Hackathon- oder Makeathon-Format.
Echtes Problem: Gibt es ein konkretes Problem, das für eine erkennbare Zielgruppe relevant ist?
Mehrere Lösungen möglich: Lässt die Challenge verschiedene Wege zu oder gibt es faktisch nur eine richtige Antwort?
Prototypisierbar: Kann innerhalb der verfügbaren Zeit etwas Sichtbares, Testbares oder Demonstrierbares entstehen?
Teamnutzen: Braucht die Aufgabe unterschiedliche Kompetenzen, Perspektiven oder Rollen?
Feedback möglich: Gibt es Personen, Kriterien oder Tests, anhand derer die Lösung geprüft werden kann?
Zeitlich begrenzbar: Ist die Challenge so geschnitten, dass ein sinnvoller Teilerfolg im vorgesehenen Zeitraum erreichbar ist?
Schnelltest: Wenn das Ergebnis hauptsächlich aus einer Diskussion, Recherche oder PowerPoint bestehen würde, ist die Challenge für einen Hackathon noch nicht konkret genug.
Weiterführende Materialien
Wann lieber eine andere Methode?
Hackathon und Makeathon sind stark, wenn in begrenzter Zeit eine konkrete, testbare Lösung entstehen soll. Für andere Ziele gibt es passendere und oft schlankere Formate.
20 Minuten. Eine Frage. Viele neue Ideen.
Jeden Dienstag um 17:00 Uhr treffen wir uns live für einen kurzen Didaktik-Impuls mit echtem Praxisbezug. Du bringst deine Fragen aus Unterricht, Seminar oder Training mit und bekommst neue Perspektiven, konkrete Ideen und das Schwarmwissen der Gruppe. Kompakt, kollegial und so nah an deinem Alltag, dass du den nächsten Impuls direkt ausprobieren kannst.
Einsatzideen nach Zielgruppe und Situation
Hackathons und Makeathons eignen sich besonders für Situationen, in denen Wissen in Handlung übersetzt werden soll.
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Sekundarschule – Schulalltag verbessern:
Schüler:innen bearbeiten eine konkrete Challenge wie „Wie können wir Pausenbereiche besser nutzen?“ und entwickeln Modelle, Abläufe oder digitale Lösungen.
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Berufsschule – Praxisproblem lösen:
Auszubildende entwickeln Prototypen für reale Herausforderungen aus Betrieb, Pflege, Technik oder Kundenservice.
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Universität – interdisziplinäre Challenge:
Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten an einer realen Fragestellung aus Stadtentwicklung, Gesundheit, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung.
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Unternehmen – Prozessinnovation:
Teams entwickeln in kurzer Zeit neue Abläufe, Services oder interne Tools zu einer konkreten betrieblichen Herausforderung.
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Weiterbildung – Transfer sichern:
Teilnehmende setzen Inhalte eines Trainings unmittelbar in ein kleines Produkt, Konzept oder Tool für ihre eigene Praxis um.
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KI-Training – konkrete Anwendung entwickeln:
Teams lösen eine reale Aufgabe mit generativer KI und dokumentieren dabei Promptstrategie, Qualitätsprüfung, Datenschutz und Grenzen des Tools.
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Nachhaltigkeitsprojekt – Makeathon:
Gruppen bauen einfache Modelle, Prototypen oder Demonstratoren für Ressourcenschonung, Mobilität oder Kreislaufwirtschaft.
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Online-Format – verteilte Teams:
Teilnehmende arbeiten digital an einer Challenge, entwickeln klickbare oder visuelle Prototypen und präsentieren diese in einem gemeinsamen Pitch.
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FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Hackathon und Makeathon?
Ist ein Ideenmarathon dasselbe wie ein Hackathon?
Muss ein Hackathon immer einen Wettbewerb enthalten?
Wie lang sollte ein Hackathon dauern?
Braucht jedes Team einen fertigen Prototyp?
Fazit
Hackathons und Makeathons sind keine bloßen Ideensprints. Ihre Stärke entsteht durch den Wechsel von Denken und Machen: Teams müssen ein Problem fokussieren, Entscheidungen treffen, etwas sichtbar umsetzen und ihre Annahmen am Feedback prüfen.
Die entscheidende Steuerung liegt deshalb in der Challenge und im frühen Prototyping. Ist die Aufgabe konkret genug, aber offen für unterschiedliche Lösungen, kann aus kurzer, intensiver Teamarbeit ein echter Lern- und Innovationsprozess entstehen.