Zum Inhalt springen
Warenkorb, 0 Artikel

20-20-20-Regel – Augenpause bei Bildschirmarbeit, die wirklich stattfindet

Die 20-20-20-Regel können fast alle aufsagen, und nach zwanzig Minuten schaut trotzdem niemand hoch. Alle 20 Minuten Bildschirmarbeit 20 Sekunden lang weich in die Ferne schauen, etwa sechs Meter weit. Die Regel passt in einen Satz. Das Erinnern nicht: Ob die Pause stattfindet, entscheidet der Auslöser, nicht das Wissen.

Alle 20 Minuten 20 Sekunden weich in die Ferne: eine Augenpause, die nur mit festem Auslöser stattfindet.

Kurze Augenpause nach fester Regel bei Bildschirmarbeit
Online-Seminare, PC-Schulungen, Schule, Gesundheitsförderung
Lange Bildschirmphasen, Online-Seminare, Selbstlernen

Die Regel wirkt, solange der Wecker klingelt

Du erklärst die Regel, alle nicken, jemand sagt: „Kenne ich schon.“ Eine Stunde später kleben alle Augen auf vierzig Zentimeter Abstand am Bildschirm. Niemand hat hochgeschaut. Das Wissen ist da, nur der Moment, in dem es gebraucht würde, merkt sich nicht von selbst.

Die Regel stammt von dem kalifornischen Optometristen Jeffrey Anshel, der sie nach eigener Aussage um 1991 in Vorträgen zur Bildschirmarbeit entwickelt hat. Ihr Reiz ist die Merkbarkeit: Dreimal die Zwanzig, und klar ist, wie oft, wie weit und wie lange.

Im Sehtraining heißt der Auftrag: weich in die Ferne schauen. Am Bildschirm sind wir extrem fokussiert, und die 20 Sekunden sind dazu da, diese Scharfstellung loszulassen, nicht, in der Ferne etwas zu fixieren. Damit ist die Regel eine Pause, kein Training.

Ziel
Augen entlasten
Dauer
Einführung ca. 10 Min., dann 20 Sek. alle 20 Min.
Sozialform
Einzelarbeit, Plenum
Materialaufwand
keiner
Steuerungsgrad
gering

Vom Merksatz zum Auslöser

Regel einführen (2 Min.): „Alle 20 Minuten am Bildschirm schauen Sie 20 Sekunden lang weich in die Ferne, etwa sechs Meter weit. Nichts muss dort scharf werden.“ Mehr Erklärung braucht es nicht.

Weite im Raum suchen (2 Min.): „Wo geht Ihr Blick hier am weitesten?“ Ein Baum vor dem Fenster, die offene Tür, der Flur. Wer eine Brille trägt, nimmt sie für die 20 Sekunden ab, wenn das geht.

Gemeinsam ausprobieren (1 Min.): Alle schauen 20 Sekunden in ihre Weite, du sagst nur „Jetzt“ und „Danke“. Danach: „Wie lang waren 20 Sekunden?“ Für die meisten länger als gedacht.

Auslöser festlegen (3 Min.): Im Kurs übernimmst du die Erinnerung, etwa mit einem leisen Signalton. Für den Alltag sucht sich jede Person einen eigenen Auslöser: einen Timer, das Ende einer Mail, jeden Seitenwechsel im Dokument.

Im Kurs durchziehen (fortlaufend): Alle 20 Minuten erinnerst du daran, ohne Kommentar. Nach 20 Sekunden geht die Arbeit einfach weiter.

Übergabe in den Alltag (3 Min.): Jede Person nimmt ihren Auslöser an den eigenen Arbeitsplatz mit. Beim nächsten Termin fragst du, welcher getragen hat.

Signalton, Folie oder vorgestellte Weite

Mit Signal im Kurs: Ein leiser Ton oder ein Handzeichen alle 20 Minuten. Alle schauen auf, die Arbeit läuft weiter.

Im Online-Seminar: Alle 20 Minuten eine Folie „20 Sekunden in die Ferne“ und die Ansage: „Drehen Sie sich vom Bildschirm weg, zum Fenster oder zur offenen Tür.“ Du machst sichtbar mit.

Ohne Weite im Raum: Wer im Homeoffice mit dem Schreibtisch zur Wand sitzt, legt die Hände über die Augen wie beim Palmieren oder stellt sich eine Weite vor: einen Horizont, das Meer, den Blick vom Berg.

Mit Aufstehen: Jedes dritte Mal wird daraus eine Minute im Stehen am Fenster.

Für Kinder: In Tablet-Klassen wird daraus ein Ritual: Auf ein Zeichen schauen alle aus dem Fenster und suchen etwas, das sich bewegt, einen Vogel, ein Auto, eine Wolke.

Was die Regel im Kurs am Laufen hält

Die Regel selbst ist in einem Satz erklärt. Die Arbeit liegt darin, dass sie nach der Einführung weiterläuft.

  • Die Ansage zum Start: „Wir arbeiten heute lange am Bildschirm. Deshalb gibt es alle 20 Minuten ein kurzes Signal. Dann schauen Sie 20 Sekunden lang weich in die Ferne. Danach geht es einfach weiter.“
  • Beispiele für Auslöser: Timer am Rechner oder Smartphone. Ende einer Mail. Jedes Speichern. Jeder Seitenwechsel beim Lesen. Jedes Telefonat. Das Läuten der Schulglocke.
  • Weite, die fast überall zu finden ist: Baum, Dach oder Wolke vor dem Fenster, die Tür am Ende des Flurs, im Homeoffice die entfernteste Ecke der Wohnung.
  • Beobachtungskriterien: Schauen nach dem Signal viele aufs Handy, fehlt die Weite. Arbeiten viele einfach weiter, ist das Signal zu leise. Klagen viele über die Unterbrechung, setze das Signal an das Ende von Teilaufgaben und lass den Satz noch zu Ende schreiben.
  • Fragen beim nächsten Termin: „Welcher Auslöser hat funktioniert?“ – „Wann haben Sie die Regel vergessen, und was war da los?“ – „Merken Sie am Abend einen Unterschied an den Augen?“

Wo die Regel im Bildschirm verschwindet

Ohne Auslöser keine Regel: In einer Studie gingen die Beschwerden zurück, solange eine Software erinnerte, und waren eine Woche nach dem Ende der Erinnerungen wieder da. Wer nur die Regel erklärt, hat sie nicht eingeführt.

Fixieren ist kein Fernblick: Viele suchen sich einen Punkt und starren ihn scharf an. Dann bleibt das Auge im Bildschirmmodus, nur weiter weg. Sag deshalb „weich in die Ferne schauen“, nicht „einen Punkt fixieren“.

Weite statt Meter: In vielen Seminarräumen ist die Wand keine sechs Meter entfernt. Dann sind Fenster, offene Tür oder Flur die bessere Wahl. Es zählt, dass der Blick weit wird, nicht die genaue Entfernung.

Der Blick wandert aufs Handy: Vom Laptop aufs Smartphone ist keine Augenpause, sondern ein Bildschirmwechsel. Sag das ausdrücklich, es ist der häufigste Ausweg.

Pause, kein Versprechen: Die Regel ersetzt keine Brille und keine ergonomische Einrichtung. Die Dioptrienzahl ändert sich nicht, aber viele erleben nach einer Augenpause kontrastreicheres Sehen. Wer eine Augenerkrankung hat oder in Behandlung ist, klärt Augenübungen mit Ärztin oder Arzt. Sag das zu Beginn, einmal und ruhig.

Die Kursleitung vergisst sich selbst: Wer anleitet, schaut beim Signal oft auf die Uhr statt in die Ferne. Schau mit. Die Gruppe sieht, ob du die Regel selbst ernst nimmst.

Warum der weiche Blick in die Ferne entlastet

Warum der weiche Blick in die Ferne entlastet

Am Bildschirm stellt der Ziliarmuskel dauerhaft auf Nähe scharf, die Aufmerksamkeit bleibt eng auf einen kleinen Ausschnitt gerichtet, und viele blinzeln seltener. Beim weichen Blick in die Weite muss das Auge kaum nachstellen, und die Aufmerksamkeit wird für einen Moment breit statt eng. Plausibel ist das, belegt kaum. Rund die Hälfte der Bildschirmnutzer:innen hat vermutlich Beschwerden durch digitale Augenbelastung (Sheppard & Wolffsohn, 2018). Mit Erinnerungen an die Regel gingen sie in einer kleinen Studie zurück, solange erinnert wurde (Talens-Estarelles et al., 2022). Im kontrollierten Labor brachten 20-Sekunden-Pausen dagegen keinen messbaren Effekt (Johnson & Rosenfield, 2023).

Studienlage: Die Belege sind dünn und widersprüchlich: Erinnerungen an die Regel senkten in einer kleinen Studie die Beschwerden, eine kontrollierte Laborstudie fand für 20-Sekunden-Pausen keinen Effekt.

Wann lieber eine andere Methode?

Die 20-20-20-Regel ist eine kurze Pause. Braucht die Gruppe Training, Dunkelheit oder Bewegung, passt eine dieser Methoden besser.

Die Augen sollen das Umstellen üben

Die 20-20-20-Regel ist eine Pause, die Augen lassen die Scharfstellung los. Die Nah-Fern-Übung ist Training, die Augen üben das Umstellen zwischen nah und fern.

Die Augen brauchen Dunkelheit

Nach einem langen Bildschirmtag gibt Palmieren mit den Händen über den Augen mehr Ruhe als ein Blick aus dem Fenster.

Die Augen brennen

Ist eher Trockenheit das Thema, setzt das Blinzeltraining gezielter an.

Die Gruppe will mehr als eine Übung

Für eine ganze Folge von Augenübungen am Bildschirm findest du Anleitungen und Videos auf Bildschirmaugen.

Der Kopf braucht Struktur

Für konzentrierte Arbeitsblöcke mit festen Pausen hilft die Pomodoro-Technik.

Der Körper ist steif

Sitzt die Gruppe seit einer Stunde still, bringt eine Klopfmassage den Körper schneller zurück.

Praxisimpuls: Fernblickkarten für den Kurs

Im Kurs übernimmst du das Erinnern. Offen bleibt: Welches Signal stört die Arbeit am wenigsten? Was sagst du online, wenn jemand mit dem Schreibtisch zur Wand sitzt? Und wie bleibt die Regel nach dem Kurs am Bildschirm stehen?

Die Fernblickkarten haben vier Seiten: ein Deckblatt mit Einsatzhinweis, die Ansagen für die Regel mit einem Hinweis zum Auslöser, vier Karten als Kopiervorlage für den Bildschirm (20 Minuten, 6 Meter, 20 Sekunden, Auslöser) und eine Seite zum Steuern im Kurs: Signal, Online-Ansage, was ohne Weite geht und welche Fragen beim nächsten Termin. Du kopierst die Karten, jede Person stellt eine an ihren Bildschirm.

Vom Webinar bis zur Tablet-Klasse

Die Regel gehört überall dorthin, wo Augen lange auf einen nahen Bildschirm schauen und niemand von selbst hochschaut.

  1. Online-Seminar:

    Im dreistündigen Webinar kommt alle 20 Minuten die Fernblick-Folie. Nach dem zweiten Mal warten die ersten schon darauf.

  2. Schulung am PC:

    Die Trainerin setzt ein leises Signal, alle schauen zum Fenster und arbeiten danach an derselben Stelle weiter.

  3. Grundschule:

    Eine dritte Klasse mit Tablets sucht auf ein Handzeichen draußen etwas, das sich bewegt, und flüstert es der Person daneben zu.

  4. Sekundarstufe:

    In einer Projektwoche mit viel Recherche am Laptop übernimmt pro Stunde eine Person die Rolle der Zeitwache.

  5. Lehrkräftefortbildung:

    Wer abends am Laptop korrigiert, legt einen Auslöser fest, etwa nach jeder fertigen Arbeit, und berichtet beim nächsten Termin.

  6. Hochschule:

    Studierende in der Schreibphase stellen sich einen Timer und achten eine Woche lang darauf, wie oft sie die Regel umsetzen.

  7. Betriebliche Gesundheitsförderung:

    Ein Team im Kundenservice schaut nach jedem Telefonat kurz zum Fenster. Der Auslöser steckt schon im Arbeitsablauf.

  8. Berufliche Bildung:

    Auszubildende lernen die Regel in einer Einheit zum Arbeitsschutz und richten danach ihren eigenen Arbeitsplatz ein.

Häufige Fragen zur 20-20-20-Regel

Müssen es genau sechs Meter sein?
Nein. Die Zahl stammt aus den 20 Fuß der amerikanischen Fassung, und ab etwa vier Metern muss das Auge kaum noch nachstellen. Wichtiger als die Meter ist die Weite.
Reichen 20 Sekunden?
Als alleinige Maßnahme vermutlich nicht. In einer kontrollierten Laborstudie änderten 20-Sekunden-Pausen die Beschwerden beim Lesen am Tablet nicht. Längere Pausen bringen wahrscheinlich mehr.
Ist das dasselbe wie die Nah-Fern-Übung?
Nein. Die 20-20-20-Regel ist eine Pause: Die Augen lassen die Scharfstellung los. Die Nah-Fern-Übung ist Training: Die Augen üben das Umstellen zwischen nah und fern. Beides lässt sich verbinden.
Mit oder ohne Brille?
Am besten ohne, für den weichen Fernblick muss nichts scharf sein. Mit Gleitsicht wollen viele die Brille nicht abnehmen. Für die kurze Pause geht das, für Augenübungen wie die Nah-Fern-Übung nicht. Sag das ehrlich.
Hilft die Regel gegen Kurzsichtigkeit bei Kindern?
Für die Regel ist das nicht belegt. Besser untersucht ist Zeit im Freien bei Tageslicht: Die Pause draußen zählt mehr als der Blick aus dem Fenster. Fragen zur Sehentwicklung gehören in die augenärztliche Praxis.

Deine Augen brauchen nicht mehr Vorsätze, sondern 15 Minuten

Du weißt längst, dass du deinen Augen regelmäßig eine Pause gönnen solltest. Du nimmst es dir vor, verschiebst es auf später und sitzt am Ende doch wieder stundenlang vor dem Bildschirm.

Genau deshalb treffen wir uns einmal pro Woche für 15 Minuten online in der Mittagspause. Mit gezielten Übungen entlastest und trainierst du deine Augen – auch dort, wo Beschwerden durch Verspannungen im Nacken oder in den Schultern verstärkt werden.

Diese 15 Minuten können dir helfen, früher auf erste Warnzeichen zu reagieren, deine Augen regelmäßig auszugleichen und Beschwerden wie müde Augen oder Kopfschmerzen nicht einfach hinzunehmen.

Bist du bereit, deinen Augen diese 15 Minuten wirklich zu geben?

Deine Augen brauchen nicht mehr Vorsätze, sondern 15 Minuten

Fazit

Die 20-20-20-Regel kennt fast jede Gruppe, und fast keine macht sie. Alle 20 Minuten 20 Sekunden weich in die Ferne: Das kostet keine Zeit im Programm und passt in jede Bildschirmphase. Ehrlich gesagt ist die Pause allein schwach belegt: eine Unterbrechung, kein Training und kein Ersatz für echte Pausen mit Bewegung.

Ihr Problem ist nicht die Regel, sondern das Vergessen. Wer nur die Regel erklärt, verteilt einen Merksatz. Wer den Auslöser plant, im Kurs selbst mitschaut und für Räume ohne Weite eine Antwort hat, führt sie ein.

Ähnliche Begriffe & Suchanfragen
20/20/20-Regel 20-20-20 Rule Augenpause Augenpause Bildschirm