Gefühle zeichnen – ohne malen zu können
Du sagst „Wir zeichnen jetzt“, und noch bevor ein Stift das Papier berührt, kommt der Satz: „Ich kann nicht malen.“ Muss hier auch niemand. Gefühle zeichnen heißt: Eine Linie für nervös, ein Wetter für die Prüfung, drei Strichmännchen für einen schwierigen Moment. Gedeutet und bewertet wird nichts. Erzählen darf, wer will.
„Ich kann nicht malen.“ Muss auch niemand. Linie, Wetter und Strichmännchen reichen. Drei Wege.
„Ich kann nicht malen“ – bevor der Stift das Papier berührt
Seminarraum, zweiter Tag. Du legst Filzstifte und Karteikarten in die Mitte und sagst: „Wir zeichnen jetzt, wie es Ihnen mit dem Thema geht.“ Noch hat niemand einen Stift in der Hand, da kommt es von links: „Ich kann nicht malen.“ Gegenüber lacht jemand und sagt: „Ich auch nicht, bei mir sehen Pferde aus wie Hunde.“ Zwei weitere nicken. Die Stifte bleiben liegen.
Der Satz kommt immer. Und er hat selten etwas mit Zeichnen zu tun. Er heißt: „Ich will mich hier nicht blamieren.“ Viele Erwachsene haben zuletzt in der Schule gezeichnet, und dort wurde es benotet. Wer jetzt einen Stift nimmt, rechnet mit einem Urteil. Über das Bild und, schlimmer, über das Gefühl darauf.
Diese Seite nimmt beides weg. Gezeichnet werden Linien, Wettersymbole und Strichmännchen, Dinge, die jede Person mit einem Kuli hinbekommt. Die Bilder werden nicht gedeutet und nicht bewertet. Kunsttherapie ist ausdrücklich nicht gemeint. Wer möchte, erzählt selbst, was das Bild zeigt. Wie Bilder, Skizzen und Plakate Lernen grundsätzlich unterstützen, steht unter Visualisieren im Unterricht und Seminar gezielt einsetzen. Wie Gefühle allgemein im Kurs Platz bekommen, zeigt Emotionen im Unterricht sichtbar machen. Hier geht es um das Zeichnen selbst: Wie du es so klein machst, dass niemand mehr „Ich kann nicht malen“ sagen muss.
Auf einen Blick
Drei Wege vom leeren Blatt zum gezeichneten Gefühl
Erst die Linie: Ein Strich, ein Gefühl. Dieser Weg nimmt die Angst vor dem Blatt, deshalb kommt er zuerst. Jede Person faltet ein A4-Blatt zweimal, so entstehen vier Felder. Alle nehmen einen dicken Filzstift, keinen Bleistift, damit niemand radiert. Du sagst ein Gefühlswort, und alle zeichnen in das erste Feld genau eine Linie dazu, ohne Gegenstand, ohne Gesicht. Der Phasen-Timer läuft zehn Sekunden. Dann das nächste Feld, das nächste Wort: Wütend, müde, erleichtert, nervös. Nach vier Wörtern legen alle ihr Blatt umgedreht auf den Tisch. Wer es zeigen will, dreht es um. Dann geht die Gruppe zwei Minuten lang still von Tisch zu Tisch. Danach fragst du nur: „Was fällt Ihnen an den Linien auf?“ Meist kommt: „Bei nervös sind fast alle Linien zittrig.“ „Erleichtert geht bei vielen nach unten.“ Du sammelst diese Beobachtungen über die Linien, nicht über die Personen. Am Ende hat jede Person vier Linien, und alle haben gesehen, dass die anderen auch nicht zeichnen können. Das dauert etwa acht Minuten. Deine Ansage: „Sie zeichnen jetzt kein Bild. Sie zeichnen eine Linie. Wer einen Stift halten kann, kann das. Zehn Sekunden, länger nicht.“ Passt als Einstieg in jede Zeichenphase, für skeptische Gruppen und als Aufwärmen vor den anderen beiden Wegen. Kippt, wenn du eine Linie lobst: „Oh, die ist aber ausdrucksstark.“ Dann gibt es ab sofort schöne und weniger schöne Linien. Und es kippt, wenn du fragst: „Was wollten Sie damit ausdrücken?“ Die Linie muss nichts erklären.
Das innere Wetter: Wie ist das Wetter bei dieser Aufgabe? Dieser Weg verbindet ein Gefühl mit etwas Konkretem im Kurs: Die Prüfung im März, das erste Praktikum, das neue Modul. Zuerst zeichnest du am Flipchart eine Wetterlegende mit sechs Symbolen, jedes in fünf Sekunden: Sonne, Wolke, Regen, Gewitter, Nebel, Wind. Das zeigt nebenbei, wie wenig Zeichenkunst nötig ist. Dann bekommt jede Person eine Karteikarte und zeichnet in drei Minuten das Wetter, das sie in sich spürt, wenn sie an die Aufgabe denkt. Mischen ist erlaubt, etwa Sonne hinter Nebel. Danach bildet der Gruppeneinteiler Dreiergruppen. Wer will, sagt einen Satz zu seiner Karte: „Bei mir ist Nebel, weil ich nicht weiß, was drankommt.“ Die anderen hören zu, geben keinen Rat und deuten nichts. Wer nichts sagen will, sagt „weiter“. Zum Schluss sammelt jede Dreiergruppe auf einem Zettel, was gegen ihr Wetter helfen würde, ohne zu verraten, von wem welches Wetter stammt: „Gegen Nebel: Eine Probeprüfung.“ „Gegen Gewitter: Wissen, wann man nachfragen darf.“ Die Zettel kommen ans Flipchart, und du sagst, was du davon im Kurs umsetzen kannst. Die Karteikarten behalten die Teilnehmenden. Das dauert etwa fünfzehn Minuten. Deine Ansage: „Zeichnen Sie das Wetter, nicht sich selbst. Eine Wolke ist eine Wolke. Hier deutet niemand etwas hinein.“ Passt vor Prüfungen, Praktika und neuen Themen und zur Halbzeit eines Kurses. Kippt, wenn du das Gewitter wegredest: „Ach, das wird schon.“ Dann zeichnet beim nächsten Mal niemand mehr ein Gewitter. Und es kippt, wenn du im Plenum fragst: „Wer hat denn das Gewitter gezeichnet?“
Die Strichmännchen-Szene: Ein Gefühl in drei Bildern. Dieser Weg erzählt eine kleine Geschichte. Jede Person teilt ein Blatt in drei Felder, wie einen Comic: Vorher, der Moment, danach. Das Thema gibst du vor, nah am Kurs: „Als ich zum ersten Mal auf Deutsch telefoniert habe“, „Mein erster Tag im Praktikum“, „Als ich zum ersten Mal vor einer Gruppe stand“. Gezeichnet wird nur mit Strichmännchen. Gefühle zeigt der Mund nach oben oder unten, dazu Linien, Pfeile, Blitze oder Schweißtropfen. In Sprechblasen dürfen höchstens drei Wörter stehen. Wer nichts von sich zeichnen will, erfindet eine Figur und zeichnet deren ersten Tag. Das zählt genauso. Acht Minuten, dann bildet die Zufallsauswahl Paare. Wer will, erzählt seine drei Bilder. Die Partnerin darf nur eine Frage stellen: „Was passiert im mittleren Bild?“ Erklären darf nur, wer gezeichnet hat. Wer nicht erzählen will, sagt „weiter“, dann tauscht ihr die Rollen. Danach schreibt jede Person auf die Rückseite einen Satz: „Was im dritten Bild geholfen hat: …“ Im Plenum sammelst du nur diese Sätze, wer mag, liest seinen vor. So entsteht eine Liste, was beim ersten Mal hilft, und keine Liste, wem es wie ging. Das dauert etwa zwanzig Minuten. Deine Ansage: „Strichmännchen reichen. Ein Kreis, fünf Striche, ein Mund. Wer zeichnet, erzählt. Wer zuhört, fragt.“ Passt in Sprachkursen, um Gefühle zu versprachlichen, in der Berufsschule nach dem Praktikum und in Trainer:innen-Ausbildungen. Kippt, wenn die Partnerin deutet: „Das sieht aber einsam aus.“ Dann ist es keine Erzählung mehr, sondern ein Gutachten. Und es kippt, wenn das Thema zu schwer ist, etwa „Mein schlimmster Moment“. Dafür ist ein Kurs nicht der Ort.
Zwei Gruppen, zwei Entscheidungen
Situation: Train-the-Trainer-Seminar, vierzehn Teilnehmende aus Technik und Verwaltung, Thema Visualisieren am Flipchart. Als du Stifte verteilst, sagt ein Teilnehmer laut: „Ich bin Ingenieur, ich zeichne Schaltpläne, keine Gefühle.“ Ein paar lachen erleichtert. Du könntest erklären, warum Zeichnen beim Lernen hilft. Du entscheidest dich für den ersten Weg und erklärst gar nichts. Deine Ansage: „Gut, dann keine Gefühle. Nur eine Linie. Zehn Sekunden. Erstes Wort: Montagmorgen.“ Alle zeichnen. Beim zweiten Wort, „Feierabend“, lacht der Ingenieur über seine eigene Linie, die steil nach oben schießt. Beim Rundgang stellt die Gruppe fest, dass fast alle Montagslinien flach oder nach unten gehen. Nach acht Minuten liegen keine Stifte mehr in der Mitte, und der Ingenieur zeichnet später das erste Strichmännchen am Plakat.
Situation: Berufsbezogener Deutschkurs, B1, sechzehn Teilnehmende, drei Wochen vor der Prüfung. Die Stimmung ist gereizt, zwei fehlen öfter, und auf die Frage „Wie geht es Ihnen mit der Prüfung?“ kommt nur „gut“. Ein Gespräch im Plenum würde niemand ehrlich führen, schon gar nicht auf B1. Du entscheidest dich für den zweiten Weg. Deine Ansage: „Zeichnen Sie das Wetter, wenn Sie an die Prüfung denken. Nur Wetter, keine Sätze.“ Auf den Karten sind viel Nebel, drei Gewitter und eine Sonne. In den Dreiergruppen fallen Sätze wie „Ich habe Nebel, weil ich das Hören nicht verstehe.“ Am Flipchart stehen danach: Hörtraining, eine Probeprüfung, wissen, wie die mündliche Prüfung abläuft. Du planst für die nächste Woche einen Probedurchlauf der mündlichen Prüfung. Nebenbei hat der Kurs Wetterwörter als Gefühlswörter benutzt und das Muster „Ich habe …, weil …“ geübt.
Was Gefühle zeichnen verdirbt
Nicht deuten, nicht bewerten, keine Kunsttherapie. Du sagst nie „Das Rot zeigt bestimmt Ihre Wut“, auch nicht freundlich gemeint, und du lobst kein Bild. Was ein Bild zeigt, weiß nur, wer es gezeichnet hat. Zeigen und Erzählen sind freiwillig: Das Blatt darf umgedreht bleiben, „weiter“ ist immer erlaubt, und eine erfundene Figur ist genauso gut wie das eigene Erlebnis. Die Bilder gehören den Teilnehmenden. Ohne Zustimmung hängst du nichts auf und fotografierst nichts, auch nicht für die Dokumentation.
Mach es klein, bevor jemand „Ich kann nicht malen“ sagt. Karteikarte statt Plakat, Filzstift statt Bleistift, zehn Sekunden statt zehn Minuten. Zeichne selbst zuerst und zügig, ein schiefes Strichmännchen in fünf Sekunden am Flipchart sagt mehr als jede Beruhigung. Kommt der Satz trotzdem, antwortest du nicht mit „Doch, Sie können das bestimmt“, sondern verkleinerst den Auftrag weiter: Eine Linie, eine Farbe, eine Form. In der Grundschule funktionieren Linie und Wetter genauso, mit „ihr“ statt „Sie“, kürzeren Phasen und Wachsmalkreide.
Du arbeitest nicht therapeutisch. Wählst du schwere Themen, kommt Schweres aufs Papier, deshalb gibst du Themen aus dem Kurs vor und keine Lebensbilanzen. Erzählt jemand trotzdem etwas Belastendes oder hört mitten im Zeichnen auf, fängst du kurz auf: „Danke. Sie müssen hier nicht weitermachen. Wir sprechen gleich zu zweit, wenn Sie mögen.“ Vor der Gruppe fragst du nicht nach. Nach der Stunde sprichst du kurz mit der Person und verweist bei Bedarf weiter, an eine Beratungsstelle, die Schulsozialarbeit oder den Betriebsarzt. Und beende eine Zeichenphase nie mit dem Gewitter: Ein leichter Baustein wie das Absurd-Symbol zum Schluss holt die Gruppe zurück.
Was Zeichnen beim Lernen und bei Gefühlen kann, und was nicht
Ein deutsches Forschungsteam um Sabine C. Koch, unter anderem von der Alanus Hochschule und der SRH Hochschule Heidelberg, hat in einer systematischen Übersicht 37 Studien mit insgesamt 2.136 Teilnehmenden ausgewertet, die zwischen 1980 und 2016 erschienen sind. Untersucht wurden Kunst-, Musik- und Tanzangebote zur Stressbewältigung bei gesunden Menschen oder Menschen mit erhöhtem Risiko, teils als künstlerische Therapie, teils als reines Kunstangebot. In 30 der 37 Studien sank der Stress signifikant. Bei den elf Studien zu bildnerischem Gestalten, also Zeichnen, Malen oder Ton, berichteten acht weniger Stress oder Angst. Zwei Studien fanden, dass es auf den Inhalt ankam: Positive Bildinhalte senkten den Stress, negative nicht. Eine zusammenfassende Effektstärke konnten die Autor:innen nicht berechnen, weil Angebote und Messungen zu verschieden waren, und gemessen wurde meist über Selbstauskunft. Shaaron Ainsworth (University of Nottingham) und Katharina Scheiter (Leibniz-Institut für Wissensmedien und Universität Tübingen) fassen in einem Übersichtsartikel zusammen, was Zeichnen beim Lernen bringt. Wer aus einem Text eine Zeichnung macht, lernt nach zwei Meta-Analysen besser als beim reinen Lesen, mit Effektstärken zwischen 0,22 und 0,86 je nach Messung. Wörter und Bilder bleiben besser im Gedächtnis, wenn man sie gezeichnet hat, auch bei schnellen Skizzen. Für diesen Gedächtniseffekt braucht es nach Einschätzung der Autorinnen kein geübtes Zeichnen. Beim Zeichnen aus Texten zählt dagegen, wie genau der Inhalt im Bild landet, nicht wie schön es ist. Sie halten außerdem fest, dass viele Lernende Zeichnen als Lernweg nicht kennen und ängstlich reagieren können. Ihr Rat: Erklären, wozu das Zeichnen dient, und sagen, dass die Bilder nicht nach Schönheit beurteilt werden. Für die Praxis heißt das: Zeichnen ist als Lernweg für Inhalte gut belegt, und schön muss es dafür nicht sein. Dass Gestalten Stress senken kann, zeigen viele, aber recht unterschiedliche Studien, und der Inhalt spielt dabei eine Rolle. Deshalb endet eine Zeichenphase hier mit einem leichten Bild. Dass gerade die Wege auf dieser Seite Gefühle regulieren, hat keine der beiden Arbeiten untersucht.
Vier Antworten auf „Ich kann nicht malen“
Der Satz kommt immer. Diese vier Antworten machen den Auftrag so klein, dass er keinen Mut mehr braucht.
20 Minuten. Eine Frage. Viele neue Ideen.
Jeden Dienstag um 17:00 Uhr treffen wir uns live für einen kurzen Didaktik-Impuls mit echtem Praxisbezug. Du bringst deine Fragen aus Unterricht, Seminar oder Training mit und bekommst neue Perspektiven, konkrete Ideen und das Schwarmwissen der Gruppe. Kompakt, kollegial und so nah an deinem Alltag, dass du den nächsten Impuls direkt ausprobieren kannst.
Vier Bausteine und vier Situationen für Gefühle zeichnen
Jeder Baustein dauert höchstens zehn Minuten und braucht nur Stift, Karte oder Klebezettel. Gedeutet wird nichts.
Dream Scape: Jede Person zeichnet ihr Kursziel als Landschaft. Links ein Strichmännchen für „Hier stehe ich“, rechts ein Berg, eine Insel oder ein Haus für „Da will ich hin“, dazwischen das, was im Weg liegt: Ein Fluss, ein Wald, ein Zaun. Sieben Minuten. Dann zeichnet jede Person in drei Minuten eine Brücke über ein Hindernis und schreibt darunter einen nächsten Schritt in fünf Wörtern. Wer will, zeigt nur die Brücke. Am Kursende holt ihr die Landschaften wieder heraus und schaut, wie weit das Strichmännchen gekommen ist. Stimmungswolke: Am Flipchart hängt eine große gezeichnete Wolke. Jede Person zeichnet auf einen Klebezettel ein Wettersymbol für ihre Stimmung gerade jetzt, ohne Namen, und klebt ihn in die Wolke. Du sagst nur, was du siehst: „Viel Sonne, einiges an Nebel, ein Gewitter.“ Zwei Minuten. Am Ende des Tages klebt jede Person einen zweiten Zettel daneben. Für den Wechsel zwischen Ankommen und Abschließen gibt es [Einstieg und Ausstieg](https://www.variadu.de/kurswerkzeuge/check-in-check-out/). Tier-Emotion: „Wenn Ihre Laune heute Morgen ein Tier wäre, welches?“ Jede Person zeichnet in sechzig Sekunden ein Tier mit höchstens zehn Strichen. Paare tauschen die Karten. Die Partnerin rät nur das Tier, nicht das Gefühl. Meist liegt sie daneben. Genau das entspannt: Zehn Striche müssen nicht erkennbar sein. Welches Gefühl dahintersteckt, sagt nur, wer gezeichnet hat, und nur, wenn er mag: „Das ist ein Faultier, kein Hund. So müde bin ich heute.“ Absurd-Symbol: Ein Gefühl wird zu einem unmöglichen Ding. Du gibst die Kombinationen vor: Vorfreude als Küchengerät, Prüfungsangst als Möbelstück, Erleichterung als Fahrzeug. Jede Person zeichnet eins in drei Minuten, danach kommen alle Karten in die Mitte, und wer will, erklärt sein Ding in einem Satz: „Das ist ein Sessel, der einen nicht mehr aufstehen lässt.“ Leicht, lustig und der richtige Schluss nach einer schweren Phase.
Online: Alle zeichnen auf Papier, nicht am Bildschirm. Auf „Drei, zwei, eins“ halten alle gleichzeitig ihr Blatt in die Kamera, wer nicht mag, hält die leere Rückseite hoch. Niemand macht Screenshots. Die Linie aus dem ersten Weg funktioniert so in jeder Videokonferenz. Skeptische Gruppe: Nicht „malen“ sagen, sondern „skizzieren“, und mit der Linie in zehn Sekunden beginnen. Wer Schaltpläne oder Ablaufdiagramme zeichnet, darf sein Gefühl auch als Diagramm zeichnen. Sprachkurs und DaZ: Erst das Bild, dann das Wort. Wer das Gefühl gezeichnet hat, sucht danach im [Emotionsrad](https://www.variadu.de/methoden/emotionales-lernen/emotionsrad/) das passende Wort und schreibt es unter das Bild. So sprechen auch Teilnehmende auf A1 über Gefühle. Grundschule: Linien zuerst mit dem Finger in die Luft, dann mit Wachsmalkreide aufs Papier. Jedes Kind zeichnet sein Wetter auf einen Klebezettel, ohne Namen, und klebt ihn an die Tafel. Wer nicht mag, klebt einen leeren Zettel. Dann sucht die Klasse gemeinsam, was gegen Regen hilft.
Häufige Fragen zu Gefühle zeichnen
Was ist der Unterschied zu Sketchnotes?
Ist das Kunsttherapie?
Was mache ich, wenn jemand etwas Schweres zeichnet?
Was passiert mit den Bildern danach?
Funktioniert das auch mit Kindern?
Fazit
„Ich kann nicht malen“ ist kein Satz über das Zeichnen, sondern über die Angst vor dem Urteil. Gefühle zeichnen funktioniert deshalb nur, wenn das Urteil wegfällt: Eine Linie in zehn Sekunden, ein Wetter auf einer Karteikarte, drei Strichmännchen statt eines Kunstwerks. Gedeutet und bewertet wird nichts, erzählt wird freiwillig. Und am Ende steht nicht die Frage, wer am schönsten gezeichnet hat, sondern was im Kurs als Nächstes hilft.