Zum Inhalt springen
Warenkorb, 0 Artikel

Gemeinsam malen und visualisieren – Auf dem Blatt redet niemand dazwischen

„Ich kann nicht malen.“ Sagt der Teilnehmer, der drei Minuten später die ruhigste Spirale des Tages zeichnet. Gemeinsam malen heißt: Zwei oder mehr Menschen arbeiten auf einem Blatt, abwechselnd, oft ohne Worte. Im Gespräch fällt man sich ins Wort. Auf dem Blatt muss man warten, bis man dran ist. Genau da wird Zusammenarbeit sichtbar.

Im Gespräch reden alle durcheinander. Auf dem gemeinsamen Blatt wartet man. Drei Wege für Gruppen.

Kreative Kooperationsmethode, bei der Paare oder Gruppen abwechselnd auf einem gemeinsamen Blatt malen und danach über ihre Zusammenarbeit sprechen, nicht über die Schönheit des Bildes
Erwachsenenbildung, Train the Trainer, Teamtrainings, berufliche Weiterbildung, Führungskräfteentwicklung, Sprachkurse ab A2, Hochschule
Kennenlernen und Teambildung, vor Modulen zu Kommunikation und Feedback, wenn eine Gruppe festgefahren ist, als Abschluss eines Teamtages

Erst „Ich kann nicht malen“, dann die ruhigste Spirale des Tages

Teamtraining, zehn Leute aus einer Abteilung, die seit Monaten aneinander vorbeiredet. Du legst pro Paar ein A3-Blatt und zwei Wachsmalkreiden auf den Tisch, eine blaue, eine orange. Ein Teilnehmer schiebt seine Kreide sofort zur Seite: „Ich kann nicht malen.“ Du sagst: „Müssen Sie nicht. Sie dürfen nur nicht reden.“ Drei Minuten später zeichnet er mit großer Ruhe eine Spirale um den Kringel seiner Kollegin herum. Es ist die ruhigste Linie im Raum. Er merkt es nicht einmal.

Beim Nachgespräch sagt die Kollegin: „Komisch. Ich habe die ganze Zeit gewartet, was er macht. Das mache ich in Besprechungen nie.“ Genau darum geht es. Im Gespräch hat meist das Wort, wer am schnellsten ist. Auf dem gemeinsamen Blatt geht das nicht. Wer malt, ist dran. Wer nicht dran ist, muss warten und hinschauen. Plötzlich sieht man, wer führt, wer folgt, wer Platz lässt und wer das ganze Blatt füllt.

Es geht nie um schöne Bilder. Bewertet wird nichts, gedeutet wird nur von denen, die gemalt haben, und ausgestellt wird nur, was die Gruppe zeigen will. Wie Bilder und Skizzen das Lernen allgemein unterstützen, steht unter Visualisieren im Unterricht und Seminar gezielt einsetzen. Wenn eine Person beschreibt und die andere zeichnet, ohne das Original zu sehen, ist das Rücken-an-Rücken-Zeichnen, eine Übung zu präziser Sprache. Hier malen alle mit, auf demselben Blatt.

Auf einen Blick

Ziel
Zusammenarbeit, Führen und Folgen sichtbar machen, indem Paare und Gruppen auf einem gemeinsamen Blatt malen
Dauer
10–40 Min.
Sozialform
Paare, Kleingruppen, Plenum
Materialaufwand
gering
Steuerungsgrad
mittel

Drei Wege vom eigenen Strich zum gemeinsamen Bild

Der Farb-Dialog: Zu zweit auf einem Blatt, ohne ein Wort. Der Gruppeneinteiler bildet Paare. Jedes Paar bekommt ein A3-Blatt und zwei Wachsmalkreiden oder dicke Filzstifte, jede Person genau eine Farbe, zum Beispiel Blau und Orange. Die Regeln stehen am Flipchart: Abwechselnd malen. Ein Zug ist eine Linie, eine Form oder eine kleine Fläche, höchstens fünf Sekunden lang. Nicht reden, auch nicht flüstern. Nichts vom anderen durchstreichen, aber man darf darauf antworten: Daneben, darum herum, darüber hinweg. Wer beginnt, entscheidet die Person mit dem kürzeren Arbeitsweg. Der Phasen-Timer läuft fünf Minuten. Danach legen beide die Kreiden ab und sprechen drei Minuten über drei Fragen, die am Flipchart stehen: „Wann haben Sie geführt? Wann sind Sie gefolgt? Wann hätten Sie gern etwas gesagt?“ Zum Schluss gibt das Paar dem Bild einen Titel, auf den sich beide einigen müssen, und schreibt ihn unten auf das Blatt. Im Plenum sagt jedes Paar einen Satz über die Zusammenarbeit, nicht über das Bild: „Wir haben beide nur am Rand gemalt, bis einer sich in die Mitte getraut hat.“ Das Bild nehmen die beiden mit. Das dauert etwa fünfzehn Minuten. Deine Ansage: „Sie malen jetzt kein Bild. Sie führen ein Gespräch ohne Worte. Jeder Strich ist ein Satz, und dann ist die andere Person dran.“ Passt als Einstieg in Kommunikationsmodule, zum Kennenlernen und in Teams, in denen dieselben Leute immer das erste und das letzte Wort haben. Kippt, wenn geredet wird: Dann wird aus dem Dialog eine Absprache, und das Bild zeigt nur noch, was man vorher vereinbart hat. Und es kippt, wenn du deutest: „Orange hat ja ganz schön dominiert.“ Was im Bild passiert ist, sagen nur die beiden, die gemalt haben.

Die Bild-Staffel: Ein Bild, fünf Hände, und jede wartet. Dieser Weg ist die Gruppenfassung und zeigt das Warten noch deutlicher. Der Gruppeneinteiler bildet Gruppen zu viert oder zu fünft. Jede Gruppe sitzt um ein A2-Blatt, alle haben einen Stift in einer eigenen Farbe. Du gibst ein Thema vor, das zur Gruppe passt: „Ein gutes Meeting“, „Unser Team in einem Jahr“, „Der erste Tag einer neuen Kollegin“. Eine Person beginnt mit einem Element. Dann geht es im Uhrzeigersinn weiter, jede Person hat 45 Sekunden, der Phasen-Timer gibt den Takt. Jedes neue Element muss an etwas anknüpfen, das schon da ist: Es berührt es, ergänzt es oder verbindet zwei Dinge. Wer nicht dran ist, schaut zu und schweigt. Drei Runden, bei fünf Personen sind das gut elf Minuten. Danach erzählt jede Person reihum: „Ich wollte …, und dann hat … daraus … gemacht.“ Die Gruppe hört zu und lacht meistens viel. Zum Schluss formuliert jede Gruppe eine Regel für ihre echten Besprechungen, die sie beim Malen gelernt hat, und schreibt sie auf einen Zettel neben das Bild: „Ausreden lassen, auch wenn ich schon weiß, wie es weitergeht.“ Die Regeln sammelst du am Flipchart. Die Bilder hängen nur, wenn die Gruppe zustimmt. Das dauert etwa fünfundzwanzig Minuten. Deine Ansage: „Sie sind erst dran, wenn das Blatt bei Ihnen ist. Vorher dürfen Sie nur zuschauen. Und was die anderen aus Ihrer Idee machen, gehört ab jetzt allen.“ Passt in Teamtrainings, bei Gruppen, die viel durcheinanderreden, und vor Modulen zu Moderation und Besprechungskultur. Kippt, wenn jemand die Elemente der anderen korrigiert oder übermalt. Deshalb gilt: Nichts durchstreichen, nur ergänzen. Und es kippt, wenn du die Bilder vergleichst: „Bei Gruppe drei ist es aber schön geworden.“ Ab dann malt die Gruppe für dich und nicht mehr miteinander.

Das gemeinsame Plakat: Erst das eigene Feld, dann die Brücken. Dieser Weg verbindet Einzelarbeit und Zusammenarbeit und eignet sich für neue Teams und Projektgruppen. Jede Gruppe aus vier bis sechs Personen bekommt ein Flipchartpapier. Eine Person zeichnet in die Mitte einen Kreis, so groß wie ein Teller, und teilt den Rest in so viele Felder, wie die Gruppe Personen hat. Der Kreis bleibt zunächst leer. Fünf Minuten lang zeichnet jede Person in ihr Feld ein Symbol für das, was sie in das Projekt oder Team mitbringt: Eine Stärke, eine Erfahrung, eine Aufgabe. Strichmännchen, Pfeile und einfache Formen reichen. Dann die Brücken: Wer eine Verbindung zu einem anderen Feld sieht, zeichnet eine Linie oder Brücke dorthin und schreibt ein einziges Wort darauf, gut lesbar, zum Beispiel „Zahlen“ oder „Kunden“. Wichtig: Eine Brücke entsteht nur, wenn die Person im anderen Feld zustimmt. Jede Person zeichnet mindestens eine Brücke, und jedes Feld bekommt mindestens eine. Zehn Minuten. Zum Schluss der Kreis in der Mitte: Die Gruppe einigt sich auf ein einziges Symbol für ihr gemeinsames Ziel. Jede Person zieht mindestens einen Strich daran. Der Kreis ist erst fertig, wenn alle zugestimmt haben. Zehn Minuten. Danach stellt jede Gruppe ihr Plakat in zwei Minuten vor, und zwar so, dass jede Person ihr eigenes Feld selbst erklärt. Mit Zustimmung der Gruppe bleibt das Plakat bis zum Ende der Weiterbildung im Raum. Das dauert etwa vierzig Minuten. Mit Zeitschriftenbildern und Kleber arbeitet die Collage-Methode, hier wird nur gezeichnet. Deine Ansage: „Zuerst zeigen Sie, was Sie mitbringen. Dann zeigen Sie, wo Sie sich verbinden. Und die Mitte gehört niemandem allein.“ Passt zu Projektstarts, in neu zusammengesetzten Teams und in Weiterbildungen mit Menschen aus verschiedenen Abteilungen. Kippt, wenn die Brücken nur zu zwei, drei Feldern führen und andere Felder allein bleiben. Deshalb die Regel, dass jedes Feld mindestens eine Brücke bekommt. Und es kippt, wenn eine Person die Mitte allein malt, weil sie „am besten zeichnen kann“. Dann ist es ihr Ziel und nicht das der Gruppe.

Zwei Gruppen, zwei Entscheidungen

Situation: Teamtag in einer Stadtverwaltung, acht Personen aus einem Sachgebiet. Die Leiterin hat dich geholt, weil in Besprechungen „immer dieselben reden“. Schon in der Vorstellungsrunde fallen sich zwei Kollegen dreimal ins Wort. Eine Diskussion über Besprechungsregeln würde genau so laufen. Du entscheidest dich für die Bild-Staffel, zwei Gruppen zu viert, Thema „Eine gute Teambesprechung“. Deine Ansage: „45 Sekunden pro Person. Wer nicht dran ist, schaut zu. Nichts durchstreichen.“ In der zweiten Runde greift einer der beiden Kollegen zum Stift, obwohl er nicht dran ist. Seine Gruppe lacht, er legt den Stift wieder hin. Im Nachgespräch sagt er selbst: „Ich wusste schon, wie es weitergeht. Und dann hat sie etwas ganz anderes gemacht.“ Am Flipchart stehen am Ende zwei Regeln, eine davon heißt: „Erst fertig zuhören, dann Stift nehmen.“ Die Gruppe beschließt, den Satz an die Tür des Besprechungsraums zu hängen.

Situation: Train-the-Trainer-Weiterbildung, zwölf angehende Kursleitungen aus Pflege, Handwerk und Verwaltung, erster Vormittag. Die Gruppe ist höflich und vorsichtig, beim Kennenlernen erzählen alle ihre Berufsbiografie, und keiner hört richtig zu. Du entscheidest dich für den Farb-Dialog mit Paaren aus dem Gruppeneinteiler. Eine Teilnehmerin sagt: „Ich kann nicht malen, ich bin Schreinerin, ich zeichne nur mit Lineal.“ Deine Ansage: „Dann zeichnen Sie gerade Linien. Das ist auch ein Satz.“ Ihre Partnerin antwortet auf jede gerade Linie mit einem Bogen. Nach fünf Minuten liegt ein Blatt da, das beide nicht erwartet haben. Im Nachgespräch sagen sie: „Wir haben uns ohne ein Wort besser kennengelernt als in der Vorstellungsrunde.“ Am Nachmittag bilden die beiden freiwillig ein Tandem für die erste Lehrprobe.

Was gemeinsames Malen verdirbt

Nicht bewerten, nicht deuten, nicht ausstellen ohne Zustimmung. Du lobst kein Bild und vergleichst keine Gruppen. Was ein Bild über die Zusammenarbeit zeigt, sagen nur die, die gemalt haben. Du fragst „Was ist bei Ihnen passiert?“ und nie „Was wollten Sie damit sagen?“. Aufhängen, fotografieren oder in die Dokumentation aufnehmen geht nur, wenn alle auf dem Bild einverstanden sind. Viele Übungen, die mit Farbe ins Gespräch führen, findest du in Intuitives Malen im Unterricht und Seminar.

„Ich kann nicht malen“ kommt immer, und es heißt fast immer: „Ich will mich hier nicht blamieren.“ Antworte nicht mit „Doch, das können Sie bestimmt“, sondern mach den Auftrag kleiner: Eine Linie pro Zug, fünf Sekunden, eine Farbe. Mal selbst vor, schnell und ein bisschen schief. Wenn du über dein eigenes Strichmännchen lachst, darf die Gruppe das auch. Lachen über das eigene Bild ist erlaubt, Lachen über das Bild der anderen nicht. Für Gruppen, die erst einmal allein üben wollen, bevor sie ein Blatt teilen, gibt es Gefühle zeichnen mit Linie, Wetter und Strichmännchen.

Achte auf die Paare und Gruppen. Gemeinsames Malen ist näher als ein Gespräch, man sitzt dicht beieinander und malt in den Raum der anderen. Zwischen Chefin und Mitarbeiter oder zwischen zwei Leuten, die gerade einen Konflikt haben, wird es schnell zu viel. Lass das Werkzeug einteilen und tausche danach unauffällig, wenn Chefin und Mitarbeiter oder zwei Leute aus einem Konflikt zusammenkommen. Wer nicht mitmalen will, darf in der Bild-Staffel die Zeit nehmen oder beim Plakat die Brücken-Wörter schreiben. Dabeisein zählt.

Ohne Worte einigen sich Paare auf gemeinsame Zeichen, und Lachen macht das Malen sicherer

Ohne Worte einigen sich Paare auf gemeinsame Zeichen, und Lachen macht das Malen sicherer

Heidi Hautopp von der Universität Aalborg hat in Dänemark zwei Grundkurse in grafischer Moderation beobachtet und die beiden Kursleitungen interviewt. Die zehn bis zwölf Teilnehmenden pro Kurs kamen aus verschiedenen Firmen, hatten Moderations- oder Kommunikationsaufgaben und trauten sich im Zeichnen wenig zu. Die Kursleitungen zeichneten bewusst schnell und unperfekt vor, und die Teilnehmenden lachten über ihre eigenen Bilder. Humor und gemeinsame Bildideen wurden zu einer Art geteiltem Gedächtnis der Gruppe und trugen zu einer spielerischen, sicheren Lernatmosphäre bei. Hautopp betont aber auch: Lachen darf nicht auf Kosten anderer gehen. Ein Team um Nicolas Fay und Simon Garrod ließ 108 Erwachsene in 54 Paaren ein Laborspiel mit vorgegebenen Begriffen spielen: Eine Person musste der anderen die Begriffe allein durch Zeichnen vermitteln, Sprechen, Buchstaben und Zahlen waren verboten. Die Paare stammten aus westlichen Ländern und aus Japan, teils gemischt. Im Laborspiel mit vorgegebenen Begriffen wurden die Zeichnungen der Paare von Runde zu Runde einfacher, weil beide sich auf gemeinsame Zeichen einigten. Missverständnisse klärten sie, indem die andere Person nachfragte. Gemischte Paare taten sich schwerer. Die Autor:innen nennen ihre Befunde selbst vorläufig. Für die Praxis heißt das vorsichtig: Auch Paare ohne Zeichentalent können sich ohne Worte auf gemeinsame Zeichen einigen. Und die Sicherheit dazu entsteht eher durch eine Kursleitung, die selbst unperfekt zeichnet und über sich lacht, als durch Ermutigung. Keine der beiden Arbeiten hat die Wege auf dieser Seite selbst untersucht. Die erste beschreibt Zeichenkurse für Erwachsene, die zweite ein Laborspiel mit vorläufigen Befunden.

Vier Regeln für das gemeinsame Blatt

Gemeinsames Malen braucht wenige Regeln. Diese vier halten die Übung zusammen und schützen vor dem Urteil.

Abwechseln

Wer malt, ist dran. Alle anderen schauen zu. Das ist das Gegenteil jeder Besprechung.

Ergänzen

Nichts durchstreichen, nichts übermalen. Man darf nur antworten: Daneben, darum herum, darüber hinweg.

Schweigen

Während des Malens wird nicht geredet. Gesprochen wird danach, über die Zusammenarbeit.

Selbst erklären

Was ein Bild zeigt, sagen nur die, die gemalt haben. Niemand deutet das Bild der anderen.

20 Minuten. Eine Frage. Viele neue Ideen.

Jeden Dienstag um 17:00 Uhr treffen wir uns live für einen kurzen Didaktik-Impuls mit echtem Praxisbezug. Du bringst deine Fragen aus Unterricht, Seminar oder Training mit und bekommst neue Perspektiven, konkrete Ideen und das Schwarmwissen der Gruppe. Kompakt, kollegial und so nah an deinem Alltag, dass du den nächsten Impuls direkt ausprobieren kannst.

20 Minuten. Eine Frage. Viele neue Ideen.

Acht Bausteine für gemeinsames Malen und Visualisieren

Jeder Baustein braucht nur Papier und Stifte, manche ein paar Gegenstände. Gemalt wird immer zu zweit oder in der Gruppe.

Farb-Dialog: Zwei Personen, ein Blatt, zwei Farben. Abwechselnd malen, je ein Zug von höchstens fünf Sekunden, ohne ein Wort. Fünf Minuten, dann drei Fragen: Wann geführt, wann gefolgt, wann hätten Sie gern etwas gesagt? Taschen-Bild (Symbol-Mix): In Dreiergruppen legt jede Person zwei Gegenstände aus ihrer Tasche auf ein A3-Blatt, etwa Schlüssel, Kuli, Brillenetui. Wer nichts hergeben will, nimmt Büroklammern von dir. Die Gruppe hat sechs Minuten, um die Umrisse nachzuzeichnen und mit Linien zu einem Bild zum Thema zu verbinden. Dann kommen die Gegenstände zurück in die Taschen, die Umrisse bleiben, und jede Person erklärt in einem Satz, was ihre Gegenstände im Bild geworden sind. Bild-Staffel (Visuelle Kettenreaktion): Vier bis fünf Personen, ein großes Blatt, ein Bild. Reihum hat jede Person 45 Sekunden und ergänzt ein Element, das an etwas Vorhandenes anknüpft. Wer nicht dran ist, schaut zu. Am Ende entsteht ein einziges Gruppenbild. Spiegel-Zeichnen: Das Blatt wird in der Mitte gefaltet und wieder aufgeklappt, beide sitzen nebeneinander. Person A zeichnet links langsam eine Linie, Person B spiegelt sie gleichzeitig rechts. Nach zwei Minuten Rollenwechsel, dann zwei Minuten ohne festgelegte Führung. Anschließend sprechen beide darüber, wann das Führen leicht war und wann das Folgen. Gezeichnet wird nur die Linie, nicht die andere Person.

Symbolkette (Symbol-Chain): Vier Personen, jede hat zwei Karten, pro Karte dreißig Sekunden, es geht im Uhrzeigersinn. Die erste zeichnet ein Symbol zum Thema, etwa „Feedback“, und legt die Karte in die Mitte. Die nächste zeichnet ein neues Symbol, das an die Bedeutung der vorherigen Karte anknüpft, und legt es daneben. Nach acht Karten liegt eine Reihe aus einzelnen Bildern, und die Gruppe erzählt die Gedankenkette von vorn nach hinten nach. Anders als bei der Bild-Staffel entsteht kein gemeinsames Bild, sondern eine Kette von Einfällen. Gemeinsames Plakat (Kommunikative Collage): Jede Person gestaltet ihr eigenes Feld auf einem Flipchartpapier, dann verbindet die Gruppe die Felder und einigt sich auf ein Symbol in der Mitte. Gezeichnet wird nur, ohne Zeitschriften und Kleber. Bild-Brücken: Die Zweierfassung der Brücken aus dem Gemeinsamen Plakat, für Leute, die sonst kaum zusammenarbeiten. Zwei Personen aus verschiedenen Abteilungen oder Fächern zeichnen je ein Symbol für ihren Arbeitsbereich an die beiden Enden eines quer gelegten Blattes. Dann zeichnen sie gemeinsam eine Brücke dazwischen und schreiben auf jeden Pfeiler ein Wort für das, was sie verbindet. Zehn Minuten. Die Brücken kommen nebeneinander an die Wand, und die Gruppe sieht, wo es schon Verbindungen gibt und wo noch nicht. Blinde Bildpost: Stille Post mit Bildern, fünf Personen in einer Reihe. Die erste liest einen Begriff, etwa „Termin“, und zeichnet ihn mit geschlossenen Augen in dreißig Sekunden auf eine leere Karte. Weiter geht nur die Zeichnung. Die nächste Person schreibt ihren geratenen Begriff auf die Rückseite, legt die Karte verdeckt ab und zeichnet ihren Begriff blind auf eine neue Karte. Wer die Augen nicht schließen mag, zeichnet mit der anderen Hand. Am Ende legt die Gruppe alle Karten der Reihe nach aus und dreht sie um.

Häufige Fragen zu gemeinsam malen und visualisieren

Was ist der Unterschied zum Rücken-an-Rücken-Zeichnen?
Beim Rücken-an-Rücken-Zeichnen beschreibt eine Person ein Bild, und die andere zeichnet es, ohne es zu sehen. Geübt wird präzises Beschreiben und Nachfragen. Beim gemeinsamen Malen arbeiten beide sichtbar auf demselben Blatt, oft ohne Worte, und geübt wird Abwechseln, Führen und Folgen.
Und der Unterschied zur Collage-Methode?
Die Collage-Methode arbeitet mit Bildern aus Zeitschriften, die ausgeschnitten und aufgeklebt werden. Hier wird nur gezeichnet, und es geht darum, wie die Gruppe zusammenarbeitet, nicht um ein fertiges Plakat zu einem Inhalt.
Was mache ich, wenn jemand gar nicht mitmalen will?
Erst den Auftrag verkleinern: Eine Linie pro Zug, eine Farbe, fünf Sekunden. Will die Person trotzdem nicht, bekommt sie eine Rolle: Sie nimmt in der Bild-Staffel die Zeit oder schreibt beim Plakat die Brücken-Wörter. Im Nachgespräch ist sie genauso dabei. Oft greift sie in der zweiten Runde doch zum Stift.
Geht das auch online?
Ja, mit einem gemeinsamen digitalen Whiteboard, das deine Einrichtung freigegeben hat. Beim Farb-Dialog arbeiten die Paare in Breakout-Räumen auf einer eigenen Fläche, jede Person mit einer Farbe. Die Bild-Staffel funktioniert in der Reihenfolge, die du im Chat vorgibst. Ohne Whiteboard malt jede Person auf Papier und hält ihr Blatt in die Kamera, dann passt die Symbolkette am besten.
Was passiert mit den Bildern danach?
Sie gehören denen, die gemalt haben. Beim Farb-Dialog nehmen die Paare ihr Bild mit oder teilen es. Gruppenbilder und Plakate hängen nur im Raum, wenn alle zugestimmt haben. Fotografiert wird nur mit Zustimmung und ohne Gesichter. Die Regeln, die eine Gruppe aus dem Malen ableitet, darfst du am Flipchart sammeln und mitnehmen.

Intuitives Malen im Unterricht und Seminar

Der Farb-Dialog ist ein Gespräch mit Farbe, und genau darum geht es in diesem Buch: Malen zum Kennenlernen und zum Nachdenken, ohne dass jemand malen können muss. Wer nach dem ersten Blatt zu zweit merkt, dass die Gruppe mehr davon will, findet hier die nächsten Übungen.

Fazit

Im Gespräch gewinnt, wer am schnellsten ist. Auf dem gemeinsamen Blatt gewinnt niemand, man ist dran oder man wartet. Genau deshalb zeigt gemeinsames Malen, wie eine Gruppe zusammenarbeitet: Wer führt, wer folgt, wer Platz lässt. Schön muss dabei nichts werden, und gedeutet wird nur von denen, die gemalt haben. Wer danach mit Kunstwerken statt mit eigenen Bildern ins Gespräch kommen will, findet Ideen in Talk through art.

Ähnliche Begriffe & Suchanfragen
gemeinsam malen gemeinsam zeichnen Seminar kooperatives Malen kollaboratives Zeichnen